Unterweisungsmappe

Gefährdungsbeurteilung Kfz-Werkstatt

Diese Vorlage deckt 5 typische Tätigkeiten mit 23 Gefährdungen ab, jeweils mit Risiko und Maßnahmen in der Reihenfolge Ersatz, Technik, Organisation, Persönliche Schutzausrüstung. Grundlage sind öffentliche Handlungshilfen der BGHM (Kfz-Handwerk; im Einzelfall andere BG zuständig), Stand 2026-11-01. Passen Sie sie an Ihren Betrieb an; die Verantwortung bleibt beim Arbeitgeber (§ 5 ArbSchG).

Arbeiten mit Hebebühne und unter angehobenen Fahrzeugen

GefährdungRisikoMaßnahmen
Fahrzeug rutscht von den Aufnahmetellern, rollt von den Auffahrschienen oder stürzt durch Defekt der Hebebühne abhoch
  • Technik: Gelenkarmsicherungen an allen Gelenken, Abrollsicherungen und rutschhemmende oder formschlüssige Aufnahmeelemente verwenden.
  • Organisation: Hebebühne nach Gefährdungsbeurteilung, Herstellerangaben und spätestens jährlich durch eine befähigte Person prüfen lassen; Ergebnis ins Prüfbuch.
  • Organisation: Fahrzeug nur an den vorgegebenen Aufnahmepunkten aufnehmen, Last gleichmäßig verteilen, Arretierung der Tragarme beim Anheben prüfen.
Unfälle durch Bedienung der Hebebühne durch ungeeignete oder nicht beauftragte Personenmittel
  • Technik: Hebebühne gegen Betätigung durch Unbefugte sichern.
  • Organisation: Nur unterwiesene, ausdrücklich beauftragte Personen ab 18 Jahren bedienen selbstständig; Betriebsanweisung zugänglich machen.
Quetschen von Füßen und anderen Körperteilen beim Anheben und vor allem beim Absenkenmittel
  • Technik: Fußabweiser, Schaltleisten oder Warnton nach Zwischenstopp nutzen; Abstand bewegter Teile zur Umgebung mindestens 0,5 m.
  • Organisation: Vor dem Absenken Werkzeug und Gegenstände entfernen; nur bewegen, wenn niemand gefährdet ist.
Absinken oder Abkippen von Fahrzeugen und angehobenen Fahrzeugteilen beim Arbeiten ohne Hebebühnehoch
  • Technik: Unterstellböcke mit angegebener Tragfähigkeit verwenden; Wagenheber nur zum Radwechsel.
  • Organisation: Angehobene Teile wie Pritschen oder Fahrerhäuser formschlüssig sichern; bei Arbeiten an Bremsen Unterlegkeile verwenden.
Belastung von Nacken, Schultern und Rücken durch Überkopfarbeit unter dem Fahrzeugmittel
  • Technik: Arbeitshöhe der Hebebühne passend einstellen; bei Neuanschaffung ergonomische Lösungen prüfen.
  • Organisation: Überkopfarbeit mit anderen Tätigkeiten abwechseln.
  • Persönlich: Nach Bedarf Anstoßkappe und Schutzbrille tragen.

Arbeiten an Motor, Kraftstoff- und Abgasanlage, Ölwechsel

GefährdungRisikoMaßnahmen
Einatmen von Kohlenmonoxid, Stickoxiden und Dieselrußpartikeln bei laufendem Motor und Fahrzeugbewegungen in der Hallehoch
  • Technik: Abgase an der Entstehungsstelle mit Abgasabsaugung erfassen und ins Freie führen; Anlage regelmäßig prüfen.
  • Organisation: Fahrzeugbewegungen in der Werkstatt auf ein Minimum reduzieren, Fahrzeuge für den nächsten Tag abends bereitstellen, gründlich lüften.
  • Organisation: Abgasschlauch bei jedem Motorlauf im Stand anschließen.
Brand oder Explosion durch Benzindämpfe, besonders in Arbeitsgruben, beim Tankentleeren und beim Filterwechselhoch
  • Technik: Tank nur abpumpen, nie über die Ablassschraube ablassen; Geräte für trockenen Kraftstofffilterwechsel verwenden.
  • Technik: Lüftung von Gruben vor dem Betreten und vor Feuer-, Schweiß- und Schleifarbeiten einschalten.
  • Organisation: Arbeiten am Kraftstoffsystem von Ottomotoren nicht über Arbeitsgruben, wenn eine Hebebühne vorhanden ist; Zündquellen fernhalten.
  • Organisation: Ausgelaufenen Kraftstoff sofort aufnehmen und Raum lüften.
Explosion von Altölbehältern, wenn Benzin oder Reiniger hineingefüllt werdenmittel
  • Organisation: Ottokraftstoff und Reiniger getrennt vom Altöl sammeln; Altöl nicht mit anderen Stoffen mischen.
  • Organisation: Gebrauchte Putzlappen in nicht brennbaren, geschlossenen Behältern sammeln.
Explosion von Knallgas beim Laden von Batterien und beim Anklemmen von Ladegeräten oder Starthilfekabelnmittel
  • Technik: Ladeplätze gut lüften; Ladegeräte mit Schalter verwenden, die funkenfreies Anklemmen ermöglichen.
  • Organisation: Erst anklemmen, dann einschalten.
Einspritzen von Kraftstoff in die Haut beim Prüfen von Einspritzdüsen mit dem Finger; Stichflamme beim Prüfen am laufenden Anlasserhoch
  • Technik: Düsen in gesonderten Prüfanlagen mit Auffangbehälter prüfen.
  • Organisation: Strahl nie mit der Hand prüfen; Benzindüsen ausgebaut prüfen.
Gehörschäden bei Abgasuntersuchung, auf Leistungsprüfständen und beim Ausbeulenmittel
  • Technik: Lärmarme Verfahren und Geräte bevorzugen.
  • Organisation: Lärmbereiche kennzeichnen und Zugang beschränken.
  • Persönlich: Ab 85 dB(A) Gehörschutz tragen.
Ausrutschen auf ausgelaufenem Öl und Schmierstoffenmittel
  • Organisation: Verschüttete Schmierstoffe sofort mit Bindemittel aufnehmen.

Teilereinigung und Arbeiten an Bremsen und Kupplungen

GefährdungRisikoMaßnahmen
Verpuffung oder Explosion durch Bremsen- und Universalreiniger mit niedrigem Flammpunkthoch
  • Ersatz: Prüfen, ob wässrige Reiniger oder Niederdruckdampf reichen; sonst Reiniger mit nicht brennbarem Treibmittel und Spritzstrahl wählen.
  • Technik: Während der Reinigung und etwa 5 Minuten danach lüften.
  • Organisation: Je Anwendung höchstens 10 Sekunden spritzen, behandelte Fläche unter 1 m², nicht gleichzeitig mehrere Dosen; nur Schichtbedarf am Arbeitsplatz.
Einatmen von Lösemitteldämpfen und Hautkontakt bei Kaltreinigern und Waschbehälternmittel
  • Ersatz: Organische Lösemittel nur, wenn andere Reiniger nachweislich nicht reichen.
  • Technik: Dämpfe absaugen; kleine, selbstschließende und gekennzeichnete Waschbehälter verwenden.
  • Persönlich: Handschuhe, Schürze und Schutzbrille tragen; wenn nicht abgesaugt wird, Atemschutz.
Einatmen von Abriebstaub aus Bremsen und Kupplungen; bei Oldtimern und Spezialfahrzeugen mögliche Asbestbelägemittel
  • Technik: Abriebstaub nass oder mit geeignetem Staubsauger entfernen; Bearbeitungsmaschinen nur mit Absaugung.
  • Organisation: Nie mit Druckluft abblasen; bei Verdacht auf Asbest Arbeit stoppen und Vorgesetzte informieren.
Verbrühungen beim Reinigen mit Heißwasser, Dampf oder heißen Lösungenmittel
  • Technik: Möglichst geschlossene Behälter, Absaugung an heißen alkalischen Bädern.
  • Organisation: Behälter kennzeichnen, bei Flüssigkeiten ab 45 °C auch mit Temperatur.
  • Persönlich: Gummistiefel, Schürze, Handschuhe mit langen Stulpen und Schutzbrille tragen.
Hauterkrankungen durch Öle, Fette, Kraftstoffe, Lösemittel und Kühlmittel; bei Altöl auch Hautkrebsgefahrmittel
  • Ersatz: Hautschädigende Stoffe nach Möglichkeit ersetzen.
  • Organisation: Hautschutzplan erstellen und aushängen, Präparate bereitstellen.
  • Persönlich: Schutzhandschuhe tragen; Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege nach Plan.

Rad- und Reifenmontage

GefährdungRisikoMaßnahmen
Platzen des Reifens oder Wegfliegen von Rad und Felgenteilen beim Befüllen, besonders beim ersten Aufpumpenhoch
  • Technik: Reifen auf der Montiermaschine nur formschlüssig eingespannt oder mit zusätzlicher Halteeinrichtung befüllen; Befülleinrichtungen nutzen.
  • Organisation: Höchstzulässigen Befülldruck nicht überschreiten; beschädigte oder korrodierte Felgen und schadhafte Reifen nicht montieren.
  • Organisation: Bei geteilten Felgen Schutzeinrichtungen gegen fortfliegende Teile benutzen.
Rückenbelastung durch Heben vieler Räder am Tagmittel
  • Technik: Radhebevorrichtung verwenden.
  • Organisation: Arbeit so planen, dass Räder möglichst wenig von Hand gehoben werden.
Umkippen großer und schwerer Räder auf Personenmittel
  • Technik: Räder über 200 kg oder über 1,5 m Durchmesser nur mit Einrichtungen transportieren, die ein Umkippen verhindern.

Allgemeine Arbeiten an Hybrid- und Elektrofahrzeugen

GefährdungRisikoMaßnahmen
Elektrischer Schlag oder Störlichtbogen durch Berühren spannungsführender Hochvolt-Teile, besonders bei Unfallfahrzeugenhoch
  • Organisation: Arbeiten am HV-System nur durch qualifizierte Fachkundige nach Herstellervorgaben; allgemeine Arbeiten wie Ölwechsel oder Reifenwechsel durch unterwiesene Personen.
  • Organisation: HV-Fahrzeuge während der Arbeiten kennzeichnen und den Arbeitsbereich absperren; Betriebsanweisung für HV-Fahrzeuge erstellen.
  • Organisation: Zustand verunfallter Fahrzeuge durch Fachkundige feststellen lassen.
Beschädigte orange HV-Kabel oder Abdeckungen werden bei Routinearbeiten übersehenmittel
  • Organisation: Orange Kabel und Abdeckungen nicht berühren oder lösen; Schäden sofort an die fachkundige Person melden.
Brand oder Ausgasen beschädigter Lithium-Ionen-Energiespeichermittel
  • Organisation: Geeigneten Abstellort für Fahrzeuge mit beschädigter HV-Batterie festlegen; Vorgehen bei Ausgasen festlegen.
  • Organisation: Beschädigte Energiespeicher nach Herstellervorgaben behandeln.

Unterweisungen für Kfz-Werkstatt

Unterweisung Kfz-Werkstatt: vollständige Texte und Beispielfragen

Aus der Gefährdungsbeurteilung folgen die Themen der Unterweisung (§ 12 ArbSchG). Dazu kommen Erste Hilfe, Brandschutz und elektrische Geräte für alle.

  • Hebebühne bedienen und sicher unter dem Fahrzeug arbeitenmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Abgase in der Werkstattmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Kraftstoffe, Altöl und Brandgefahrmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Reinigungsmittel, Bremsenreiniger und Bremsstaubmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Hautschutz in der Werkstattmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Räder und Reifen sicher montierenjährlich
  • Lärm und Gehörschutzmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Hybrid- und Elektrofahrzeuge – was Sie wissen müssenjährlich

Beispiel einer Verständnisfrage zu „Hebebühne bedienen und sicher unter dem Fahrzeug arbeiten“: Wer darf eine Fahrzeughebebühne selbstständig bedienen? Richtig ist: Wer mindestens 18 ist, unterwiesen und ausdrücklich beauftragt wurde. Alle drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein.

Quellen

Weitere Branchen: alle Vorlagen. Pflicht auch im Kleinbetrieb? Antwort mit Normen.

In Claude angepasst: Branche und Tätigkeiten nennen, Besonderheiten ergänzen, die Gefährdungsbeurteilung Kfz-Werkstatt als PDF bekommen.

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