Unterweisungsmappe

Gefährdungsbeurteilung Gastronomie und Küche

Diese Vorlage deckt 5 typische Tätigkeiten mit 34 Gefährdungen ab, jeweils mit Risiko und Maßnahmen in der Reihenfolge Ersatz, Technik, Organisation, Persönliche Schutzausrüstung. Grundlage sind öffentliche Handlungshilfen der BGN, Stand 2026-11-01. Passen Sie sie an Ihren Betrieb an; die Verantwortung bleibt beim Arbeitgeber (§ 5 ArbSchG).

Anlieferung und Lager (inklusive Kühlräume)

GefährdungRisikoMaßnahmen
Belastung von Rücken und Gelenken beim Heben und Tragen schwerer Gebindemittel
  • Ersatz: Kleinere Gebinde einkaufen.
  • Technik: Transporthilfen wie Sackkarren, Wagen oder Hubwagen bereitstellen.
  • Organisation: Schwere Lasten ohne Hilfsmittel zu zweit tragen; Belastung bei Bedarf mit der Leitmerkmalmethode beurteilen.
Fußverletzungen durch Hubwagen oder herabfallende schwere Gebindemittel
  • Technik: Mitgänger-Flurförderzeuge möglichst mit Fußschutzleiste ausstatten.
  • Persönlich: Beim Transport und Einlagern schwerer Gebinde Sicherheitsschuhe tragen.
Umkippen, Wegrollen oder Herabfallen von Lagergut aus Regalen und Stapelnmittel
  • Technik: Standsichere, ausreichend tragfähige Regale verwenden.
  • Organisation: Schweres unten und Leichtes oben lagern; rollende Teile sichern; Lagerbereiche festlegen und kennzeichnen.
Schnittverletzungen beim Öffnen von Kartons, Folien und Umreifungenmittel
  • Technik: Sicherheitsmesser mit selbsttätig zurückziehender oder verdeckter Klinge bereitstellen.
  • Persönlich: Schnitthemmende Handschuhe tragen.
Eingeschlossen werden und Kälte bei Arbeiten in Kühl- und Tiefkühlräumenmittel
  • Technik: Kühlraumtüren mit Entriegelung von innen; Ausgang auch ohne Hauptbeleuchtung auffindbar machen.
  • Organisation: Entriegelung regelmäßig prüfen; vor dem Abschließen kontrollieren, dass niemand mehr im Raum ist.
  • Persönlich: Bei längeren Arbeiten warme Kleidung bzw. Kälteschutzkleidung tragen.
Stürze durch zugestellte Verkehrswege, fehlende Sicht beim Transport oder an Laderampenmittel
  • Technik: Laderampen mit Geländer oder Absperrung an der Absturzkante sichern.
  • Organisation: Verkehrswege, Treppen und Notausgänge auch während der Anlieferung freihalten; nur mit freier Sicht transportieren.

Vorbereitung (Schneiden, Zerkleinern, Teig)

GefährdungRisikoMaßnahmen
Schnitt- und Stichverletzungen mit handgeführten Messern durch Unaufmerksamkeit, ungeeignete oder stumpfe Messer und falsche Aufbewahrunghoch
  • Technik: Geeignetes Messersortiment, rutschfeste Schneidunterlagen, Messerhalter oder offene Messerblöcke und gute Beleuchtung bereitstellen.
  • Organisation: Arbeitsabläufe so planen, dass Zeitdruck beim Schneiden gering bleibt; Betriebsanweisung Messer aushängen.
  • Persönlich: Beim Ausbeinen, Auslösen und Austernöffnen Stechschutzhandschuh und ggf. Stechschutzschürze tragen.
Schnitt- und Fingerverletzungen an Aufschnittschneidemaschinen, Gemüseschneidern, Wölfen und Universalküchenmaschinenhoch
  • Technik: Maschinen mit funktionierenden Schutzeinrichtungen (Messerschutzring, Restehalter, Fingerschutz, Zuführschacht, Verriegelung) betreiben; Bewegungsfläche frei von Verkehrswegen.
  • Organisation: Schutzeinrichtungen regelmäßig kontrollieren; nur eingewiesene Personen an die Maschinen lassen; Jugendliche nur zur Ausbildung unter fachkundiger Aufsicht.
  • Persönlich: Beim Ausbau und Reinigen von Messern und Schneidwerkzeugen schnitthemmende Handschuhe tragen.
Allergische Atemwegserkrankungen durch Mehlstaub beim Herstellen von Pizza- oder Nudelteigmittel
  • Technik: Knetmaschinen mit geschlossener Schutzhaube bevorzugen; im kleinsten Gang ankneten.
  • Organisation: Mehlsäcke staubarm entleeren; Mehl sieben oder verreiben, nicht werfen.
Hautschäden durch häufigen Wasserkontakt, Fruchtsäuren, Fischeiweiß und scharfkantige Produktemittel
  • Organisation: Mehrstündigen Wasserkontakt durch Arbeitsorganisation vermeiden; Hautschutz- und Hygieneplan aufstellen.
  • Persönlich: Bei reizenden, allergenen oder stark färbenden Lebensmitteln Handschuhe tragen, so kurz wie möglich.
Kälteschäden, besonders Augenverletzungen, beim Umgang mit Flüssigstickstoff oder Trockeneismittel
  • Technik: Nur zugelassene Transportbehälter verwenden.
  • Persönlich: Dicht schließende Schutzbrille, Gesichtsschutz, Schutzhandschuhe und lange Baumwollkleidung tragen.
Fehlhaltungen und Rückenbeschwerden durch falsche Arbeitshöhe und zu wenig Bewegungsflächegering
  • Technik: Höhenverstellbare Tische oder Schneidunterlagen mit Höhenausgleich bereitstellen.
  • Organisation: Bewegungsfläche von mindestens 1 m Tiefe und Breite freihalten.

Zubereitung (Kochen, Braten, Frittieren)

GefährdungRisikoMaßnahmen
Brand durch überhitztes oder zu altes Frittierfett und Speiseölhoch
  • Technik: Geeignete Fettbrand-Feuerlöscher (Brandklasse F) mit ausreichendem Löschvermögen bzw. Löschanlage bereithalten; zentrale Netztrenneinrichtung für Wärmegeräte vorsehen.
  • Organisation: Fritteusen und Woks nie unbeaufsichtigt betreiben; Füllstand einhalten; Fett rechtzeitig wechseln.
Herausschleudern von heißem Fett, wenn Wasser in die Fritteuse gelangthoch
  • Technik: Keine Wasserzapfstellen im Bereich der Fritteuse; Abstand oder nicht brennbare Abtrennung zu Wasserbädern und Kochkesseln.
  • Organisation: Keine Gegenstände über Fritteusen und Woks aufhängen; Behälter vorsichtig in Wasserbäder einsetzen.
Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten und Dampf an Heißluftdämpfern, Kochkesseln und Druckgargerätenmittel
  • Technik: Warnzeichen am Heißluftdämpfer in etwa 1,60 m Höhe; Kochkessel mit seitlichen Deckelgriffen und gesicherten Ablasshähnen.
  • Organisation: Behälter mit Flüssigkeit nur in einsehbaren Ebenen einschieben; Druckgargeräte erst nach Druckausgleich öffnen.
Verbrennungen an heißen Oberflächen, Grillrosten und Strahlungsgrillsmittel
  • Technik: Griffe, Haken oder Klauen für Grillroste bereitstellen; defekte Berührschutzabdeckungen sofort ersetzen.
  • Persönlich: Langärmelige Kochjacke tragen; an Grills wärmeisolierende Handschuhe benutzen.
Quetschungen durch zufallende Deckel von Kippbratpfannen und Kochkesselnmittel
  • Technik: Deckel mit definierter Endstellung und Sicherung gegen Zufallen; Kippeinrichtung arretiert selbsttätig.
  • Organisation: Gängigkeit der Deckel regelmäßig kontrollieren.
Erhitzen abgelegter Metallgegenstände auf Induktionsherden und mögliche Beeinflussung von Herzschrittmacherngering
  • Organisation: Keine metallenen Gegenstände auf der Kochfläche ablegen; bei Implantaten ärztlichen Rat einholen.
Ausrutschen auf Wasser, Fett und Speiseresten am Bodenhoch
  • Technik: Rutschhemmende Bodenbeläge, Abläufe unter Kippbratpfannen und Kochkesseln.
  • Organisation: Verschmutzungen sofort entfernen.
  • Persönlich: Geschlossene Schuhe mit Fersenhalt und rutschhemmender Sohle tragen.
Belastung und Verbrühungsgefahr beim Umsetzen großer Töpfe mit heißer Flüssigkeitmittel
  • Organisation: Große Töpfe mit heißem Inhalt zu zweit abheben oder umsetzen.

Speisenausgabe, Service und Ausschank

GefährdungRisikoMaßnahmen
Rückenbelastung durch Heben, Tragen, Zwangshaltungen und Verdrehen an Ausgabe und Kassemittel
  • Technik: Transportwagen einsetzen; Kasse und Ausgabe so einrichten, dass ohne Verdrehen gearbeitet werden kann.
  • Organisation: Zwischen Ausgabe und Kasse rotieren.
Verbrennungen und Verbrühungen an heißen Gastronormbehältern, Wasserdampf und Wärmelampenmittel
  • Organisation: Arbeitsmittel an der Ausgabe ergonomisch und mit ausreichendem Abstand anordnen.
  • Persönlich: Hitzeschutz beim Umsetzen heißer Behälter verwenden.
Psychische Belastung durch Zeitdruck, hohe Arbeitsdichte, Reklamationen und aggressive Gästemittel
  • Organisation: Arbeitsabläufe und Aufgaben klar verteilen, Pausen einhalten, Konzepte für Stoßzeiten festlegen.
  • Organisation: Beschäftigte zum Verhalten bei Beschwerden, Beleidigungen und aggressivem Auftreten schulen.
Erstickungsgefahr durch unkontrolliert austretendes Schankgas (Kohlendioxid) in Kellern und Lagerräumenhoch
  • Technik: Ausreichende Lüftung bzw. Gaswarnanlage einrichten.
  • Organisation: Schriftliche Anweisung zum Flaschenwechsel aushängen; Verhalten bei Alarm der Gaswarnanlage unterweisen.
Umfallende Druckgasflaschen und beschädigte Ventilemittel
  • Organisation: Flaschen immer senkrecht aufstellen und gegen Umfallen sichern; vor Transport Ventile schließen und schützen.
Unfälle bei Auslieferungsfahrten durch Zeitdruck, Witterung und fehlende Schutzkleidungmittel
  • Organisation: Auf Einhaltung der Straßenverkehrsordnung achten, Zeitvorgaben realistisch planen.
  • Persönlich: Auf Zweirädern Helm und gut sichtbare Schutzkleidung tragen.

Spülküche, Reinigung und Entsorgung

GefährdungRisikoMaßnahmen
Verätzungen und Reizungen durch ätzende Spül-, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, besonders beim Gebindewechsel an der Spülmaschinehoch
  • Ersatz: Mittel mit geringerer Gefährdung einsetzen, zum Beispiel reizende statt ätzende Produkte, wo das Reinigungsergebnis gleich bleibt.
  • Technik: Dosier- und Umfüllhilfen bereitstellen.
  • Organisation: Betriebsanweisungen erstellen, insbesondere zum Gebindewechsel; anhand der Betriebsanweisung unterweisen; genau dosieren.
  • Persönlich: Schutzbrille und geeignete Schutzhandschuhe nach Betriebsanweisung tragen.
Dämpfe und Aerosole beim Reinigen von Heißluftdämpfern, Backöfen und geschlossenen Räumenmittel
  • Technik: Sprühvorrichtungen mit Lanze statt Hochdruckreiniger verwenden.
  • Organisation: Für Lüftung sorgen; Geräte nur nach Betriebsanleitung reinigen.
Hautschäden durch Wasser, Reinigungsmittel und langes Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhemittel
  • Organisation: Hautschutzplan aufstellen; pH-hautneutrales Waschmittel bereitstellen; arbeitsmedizinische Vorsorge bei Feuchtarbeit anbieten bzw. veranlassen.
  • Persönlich: Handschuhe nach Hautschutzplan tragen, ggf. mit Baumwollunterziehhandschuhen.
Schnittverletzungen durch Glas- und Geschirrbruch, beim Reinigen von Messern und beim Entsorgen von Scherben und Dosenmittel
  • Technik: Feste Sammelbehälter, Schaufel und Besen für Scherben; Reinigungsbürsten für Messer.
  • Organisation: Messer nicht in die Spülmaschine und nicht ins Spülbecken einweichen; Scherben nie in Müllbeutel.
  • Persönlich: Für diese Tätigkeiten schnitthemmende Handschuhe tragen.
Ausrutschen auf nassen Böden und Stolpern über Schläuche, auch nach dem Bodenreinigenmittel
  • Organisation: Boden nach dem Reinigen trockenwischen; nasse Bereiche absperren oder kennzeichnen; Schläuche aus den Wegen halten.
  • Persönlich: Rutschhemmende Schuhe tragen, beim Umgang mit schwerem Kochgeschirr Sicherheitsschuhe.
Lärm durch Spülmaschine, Geschirr und Besteckgering
  • Technik: Geschirrwagen mit lärmarmen Rädern.
  • Organisation: Spülgut ablegen statt werfen; ab 80 dB(A) Gehörschutz bereitstellen und Vorsorge anbieten.
Sturz von Leitern oder Tritten beim Reinigen von Ablufthauben, Wänden und Deckenmittel
  • Technik: Standsichere Aufstiegshilfen mit rutschhemmenden Stufen, für längere Arbeiten Podestleitern oder Gerüste.
Quetschen an Müllpressen, Hineinstürzen in Container, Rutschgefahr durch Altfett und Keime aus organischen Abfällenmittel
  • Technik: Schutzeinrichtungen der Müllpresse wie Zweihandschaltung funktionsfähig halten; Container an Rampen mit Geländer sichern.
  • Organisation: Nie in die laufende Presse greifen oder nachdrücken; keine Tritte oder Paletten an Containern; Altfett sauber umfüllen; vor Pausen Hände waschen.

Unterweisungen für Gastronomie und Küche

Unterweisung Gastronomie und Küche: vollständige Texte und Beispielfragen

Aus der Gefährdungsbeurteilung folgen die Themen der Unterweisung (§ 12 ArbSchG). Dazu kommen Erste Hilfe, Brandschutz und elektrische Geräte für alle.

  • Sicher mit Messern arbeitenjährlich
  • Aufschnittmaschine, Gemüseschneider und Wolfmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Heißes Fett, Dampf und Brandschutz in der Küchejährlich
  • Rutschen und Stolpern in Küche und Betriebjährlich
  • Reinigungs- und Spülmittel sicher verwendenmündlich mit Unterschrift oder Übung
  • Hautschutz und Händehygienejährlich
  • Lager, Transport und Kühlräumejährlich
  • Service, Ausgabe, Ausschank und Umgang mit Gästenjährlich

Beispiel einer Verständnisfrage zu „Sicher mit Messern arbeiten“: Was ist laut BGN die häufigste Ursache von Messerunfällen in der Küche? Richtig ist: Unaufmerksamkeit. Unaufmerksamkeit, oft durch Zeitdruck und Stress, führt am häufigsten zu Schnittverletzungen.

Quellen

Weitere Branchen: alle Vorlagen. Pflicht auch im Kleinbetrieb? Antwort mit Normen.

In Claude angepasst: Branche und Tätigkeiten nennen, Besonderheiten ergänzen, die Gefährdungsbeurteilung Gastronomie und Küche als PDF bekommen.

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